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5 Prozesse in KMU, die täglich Geld kosten und sich mit KI verbessern lassen

  • 12. Jan.
  • 5 Min. Lesezeit

Mitarbeiter definieren einen KI Prozess

In wachsenden KMU entstehen die teuersten Verluste selten durch große Fehlentscheidungen. Sie entstehen durch alltägliche Verwaltungsarbeit, die unbemerkt zäh wird: Rückfragen, Korrekturen, fehlende Übergaben, doppelte Pflege. Viele Teams gewöhnen sich daran. Reibung wird zum Grundrauschen. Erst wenn etwas sichtbar kippt – eine Reklamation, ein verpasster Kunde, eine ausbleibende Rechnung – wird klar, dass hier kein Einzelfall vorliegt, sondern ein Muster.


Das Muster ist schlicht: Wiederkehrende Entscheidungen wurden nie als Ablauf entschieden. Stattdessen entscheiden Menschen jeden Tag neu. Das fühlt sich flexibel an und ist oft gut gemeint. Es ist aber teuer, weil es Zeit bindet, Wissen in Köpfen parkt und Abhängigkeiten schafft. Genau an dieser Stelle wird KI interessant – nicht als Ersatz für Menschen, sondern als Mittel, um Vorarbeit zu leisten und Nacharbeit zu reduzieren, ohne Verantwortung aus dem Prozess herauszunehmen.


Worauf ein gutes Radar im Alltag achtet

Ein hilfreicher Blick beginnt nicht bei „mehr Automatisierung“, sondern bei Signalen, die zeigen, dass Arbeit nicht im Prozess steckt, sondern in Personen. Typisch sind fünf Hinweise:


  • Informationen müssen regelmäßig nachgefordert werden, weil Übergaben nicht vollständig sind.

  • Der aktuelle Status ist nur über einzelne Menschen zu bekommen, nicht über einen verlässlichen Stand.

  • Abläufe werden über Zuruf, Anruf oder Kaffeeküche gesteuert, nicht über definierte Schritte.

  • Nacharbeit ist Normalzustand: korrigieren, suchen, erklären, nachfassen.

  • Prozesse funktionieren plötzlich nicht mehr, sobald Schlüsselpersonen im Urlaub sind, krank werden oder das Unternehmen verlassen.


Diese Signale sind kein Kulturproblem, sondern ein Hinweis auf fehlende Verbindlichkeit im Ablauf. Genau hier entscheidet sich, ob KI entlastet – oder nur schneller macht, was ohnehin unklar ist.


Der typische Fehlstart: Ausnahmen zuerst

Viele Verbesserungsversuche beginnen dort, wo es am meisten schmerzt: bei Sonderfällen. Das ist verständlich, aber riskant. Wer Ausnahmen automatisiert, konserviert Unklarheit und baut Komplexität in Technik und Organisation ein. Gleichzeitig steigt die Versuchung, informelle Abkürzungen weiter zu dulden, weil sie kurzfristig „funktionieren“. So wird Reibung nicht gelöst, sondern nur anders verteilt.


Sinnvoller ist die umgekehrte Reihenfolge: Standardfälle stabilisieren, Übergaben definieren, Verantwortung benennen. Erst dann wird Unterstützung durch KI zuverlässig – weil sie nicht improvisierte Abläufe beschleunigt, sondern saubere Routinen verstärkt.


Eine Alltagsszene, die das Muster sichtbar macht

Ein inhabergeführter Dienstleister mit rund 70 Mitarbeitenden wächst seit zwei Jahren stetig. Vertrieb, Projektgeschäft und Service laufen parallel, die Verwaltung ist schlank besetzt. Anfragen kommen über mehrere Kanäle rein: Weiterleitungen, Telefonnotizen, E-Mails an Einzelpersonen, gelegentlich ein zentrales Postfach. Im Alltag funktioniert vieles „irgendwie“, weil einzelne Menschen die Lücken schließen: jemand erinnert an Rückrufe, jemand fragt nach fehlenden Projektinfos, jemand schiebt eine Rechnung an, wenn Zeit ist. Prozesse sind vorhanden, aber eher als Gewohnheit denn als verlässlicher Ablauf.


Der Moment, in dem das Muster nicht mehr zu übersehen ist, kommt selten mit Ansage. Ein großes Projekt ist fachlich längst geliefert, aber nie formal abgeschlossen. Die Übergabe an die Rechnungslegung bleibt aus. Zwei Jahre später fällt auf, dass eine Rechnung im fünfstelligen Bereich nie gestellt wurde. Nicht aus Absicht, sondern aus Alltag: Übergaben, die „eigentlich klar“ waren, aber nie klar definiert wurden. Ab dann ist das Radar-Thema plötzlich nicht mehr abstrakt, sondern Führungssache.


Fünf Prozesse, in denen sich der Verlust täglich zeigt

1. Anfragen und Angebotsprozesse werden teuer, wenn Eingangskanäle verstreut sind und Vorqualifizierung jedes Mal neu gedacht wird. Dann bestehen die Kosten nicht nur aus Bearbeitungszeit, sondern aus Reaktionszeitverlust, unklaren Zuständigkeiten und vermeidbaren Schleifen. KI kann hier unterstützen, indem sie Eingänge vorstrukturiert, Informationen konsistent zusammenführt, fehlende Angaben sichtbar macht und Entwürfe vorbereitet. Wirksam wird das aber erst, wenn klar ist, was als „vollständige Anfrage“ gilt – und wer entscheidet, wann ein Angebot tatsächlich raus darf.


2. Rechnungsstellung, Buchhaltung und Übergaben in die Faktura sind ein klassischer Kipppunkt, weil hier Prozessreife direkt auf Cashflow trifft. Wenn „fertig“ nirgendwo eindeutig festgehalten ist, entsteht das schlimmste aller Verwaltungsrisiken: erbrachte Leistung ohne Rechnung. KI kann Hinweise auf offene Abschlüsse, fehlende Abnahmen oder unstimmige Daten geben und damit das Risiko reduzieren, dass Fälle still liegen bleiben. Die Entscheidung über Projektabschluss, Abrechnung und Korrekturen bleibt jedoch menschlich – und braucht einen Ablauf, der Übergaben nicht vom Gedächtnis einzelner abhängig macht.


3. Onboarding von Mitarbeitenden kostet Geld, wenn Zugänge, Informationen und Termine jedes Mal improvisiert werden. Dann werden neue Kolleginnen und Kollegen nicht nur langsamer produktiv, sondern hängen von Zufallskontakten ab: Wer kennt wen, wer erinnert sich, wer schaltet frei? KI kann Onboarding-Schritte anstoßen, Unterlagen bündeln, Terminabfolgen vorbereiten und Routinekommunikation entlasten. Der eigentliche Hebel liegt jedoch in der Definition: Was bedeutet „startbereit“, welche Mindestinformationen gehören dazu, und wer trägt die Prozessverantwortung?


4. Support- und Serviceprozesse werden teuer, wenn Antworten nicht auffindbar sind und Fälle doppelt bearbeitet werden. Oft ist weniger das einzelne Ticket das Problem, sondern die fehlende Wiederverwendbarkeit von Wissen: Lösungen existieren, aber sie sind verteilt. KI kann Inhalte aus früheren Fällen auffinden, Antwortentwürfe erstellen, Anliegen sortieren und Hinweise geben, wo ein Fall inhaltlich hingehört. Ohne klare Kategorien, Eskalationspunkte und Zuständigkeiten entsteht jedoch nur schnelleres Pingpong.


5. Marketing und Lead-Nurturing verlieren Geld, wenn Übergaben zwischen Interesse und Vertrieb zufällig sind. Dann entsteht Aktivität ohne Verbindlichkeit: Kontakte werden gesammelt, aber nicht qualifiziert weitergeführt; Vertrieb bekommt Signale zu spät oder in falscher Form. KI kann Signale verdichten, Entwürfe vorbereiten, Inhalte konsistent halten und Wiederholbares stabilisieren. Entscheidend bleibt die menschliche Klärung: Was ist wirklich relevant, wann gilt ein Lead als qualifiziert – und wer übernimmt verbindlich?


Der konkrete nächste Schritt

KI wirkt in Verwaltungsprozessen nicht dadurch, dass sie Entscheidungen ersetzt, sondern dadurch, dass sie Vorarbeit leistet: Informationen ordnet, Entwürfe vorbereitet, Inkonsistenzen sichtbar macht. Der Engpass bleibt dennoch menschlich: Verantwortung, Priorisierung und die Definition dessen, was „fertig“ oder „vollständig“ bedeutet.


Damit aus dem Radar eine Entscheidung wird, kann eine Geschäftsführung einen pragmatischen Startpunkt setzen – klein genug, um nicht zu überfordern, aber wichtig genug, um sofort Wirkung zu zeigen. Bewährt ist eine Reihenfolge, die nicht bei Ausnahmen beginnt, sondern bei einem Standardfall mit sauberer Übergabe:

  • Einen Prozess auswählen, der täglich Reibung erzeugt (häufig Anfrage/Angebot oder Projektabschluss → Faktura).

  • Prozessverantwortung benennen: eine Person, die nicht „mitarbeitet“, sondern den Ablauf verbindlich hält.

  • Den Standardfall definieren: Welche Informationen müssen vorliegen, welcher Schritt gilt als erledigt, was ist die Abnahme?

  • Übergaben scharfziehen: Wo wechseln Verantwortung und Kontext, und wie wird Vollständigkeit geprüft, bevor weitergegeben wird?

  • Menschliche Entscheidungspunkte festlegen: Wo bleibt das letzte Wort beim Menschen – und welches Feedback fließt zurück, damit der Ablauf besser wird?


Erst wenn diese Basis steht, lohnt sich die eigentliche KI-Arbeit: nicht als neue Schicht über einem informellen Betrieb, sondern als Unterstützung, die Nacharbeit reduziert und Verlässlichkeit erhöht. Dann wird Verwaltung nicht nur schneller, sondern stabiler – und es entsteht Zeit für das, was im Tagesgeschäft oft untergeht: Kunden wirklich zu verstehen, Marktveränderungen einzuordnen und strategisch zu arbeiten.


Wo das strukturiert umgesetzt wird

Genau für diesen Übergang – vom diffusen Schmerz zur klar benannten Prozessverantwortung und einer sinnvoll definierten KI-Unterstützung – ist der KI-Sprint gedacht. In den KI-Sprint-Trainings wird gemeinsam mit Fachbereichen herausgearbeitet, welche Probleme tatsächlich im Prozess liegen, welche Standards fehlen, welche Entscheidungspunkte menschlich bleiben müssen – und wie daraus ein KI-System entsteht, das den Alltag entlastet, statt neue Abhängigkeiten zu schaffen.

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